Die vom übrigen Tirol getrennte Geschichte Südtirols beginnt im November 1918 mit der

Im Zuge der faschistischen Schulreform 1923 wurde an allen Schulen die deutsche
Sprache verboten. Einzig die Knabenseminare Vinzentinum in Brixen und das
Johanneum in Dorf Tirol durften in Deutsch weiterarbeiten.
Sofort regte sich in Südtirol Widerstand gegen diese Unterdrückungen.
Kanonikus Michael Gamper baute unter Mithilfe mutiger Lehrer im ganzen Land
deutsche Geheimschulen auf. In den sogenannten "Katakombenschulen"
versuchte man, die Muttersprache an die Kinder weiter zu geben.
1928 wurde in Bozen ein großes Siegesdenkmal errichtet. Ein Monument des italienischen Faschismus. Forderungen nach Beseitigung diese Diktaturerbes blieben bis heute ungehört, so dass es immer noch als "Wallfahrtsort" italienischer Neofaschisten genutzt wird.
Besonders einschneidend für Südtirol war das deutsch - italienische Abkommen zur Umsiedlung der Südtiroler, das 1939 in Berlin besiegelt wurde. "Option" nannte man das. Bis Jahresende konnten sich die Südtiroler für die deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden, mit der Auflage ins Reich umzusiedeln. Oder unter Verzicht auf ihr deutsches Volkstum, die italienische Staatsbürgerschaft beibehalten. 86% entschieden sich für die Auswanderung. Der Zweite Weltkrieg verhinderte dann größtenteils die Umsiedlungspläne.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde das Südtirolproblem international.
Am Rande der Pariser Friedenskonferenz 1946 kam es zu einem Abkommen
zwischen dem italienischen Ministerpräsidenten Alcide Degasperi und dem
österreichischen Außenminister Karl Gruber. Aus Rom wehte ein deutlich autonomiefeindlicher Wind.
Österreich - ab 1955 ein souveräner Staat - war bestrebt über seine Außenpolitik
die Umsetzung dieses ersten Autonomiestatutes zu erreichen.
Die italienische Regierung dagegen sah das Südtirolproblem als innerstaatliche
Angelegenheit und den Pariser Vertrag bezüglich der Autonomie als erfüllt.
Außerdem förderte die italienische Regierung die Zuwanderung von Italienern
nach Südtirol. 1957 kündigte Rom die Errichtung eines neuen Stadtteils in Bozen mit
fünftausend Wohnungen an.
Auf Aufruf der neuen Südtiroler Volkspartei unter Silvio Magnago, versammelten
sich daraufhin 35 000 Südtiroler zu einer Kundgebung auf Schloss Sigmundskron.
Diese Kundgebung hatte ein großes, auch internationales , Interesse zur Folge.
Südtirol kam erstmals auf die Tagesordnung der UN Vollversammlung.
Jedoch auch auf ganz anderer Ebene wurde in Südtirol um Aufmerksamkeit
gekämpft.
In der Nacht des Herz-Jesu - Sonntag 1961, der so genannten Feuernacht, wurden
mehrere Hochspannungsmasten gesprengt. Man wollte die oberitalienischen
Industriebetriebe von der Stromzufuhr abschneiden. Auf die Attentate folgten
scharfe Polizeiaktionen und Folterungen. Dennoch gab es in den folgenden
Jahren noch weitere Anschläge. Die Attentäter versuchten bei allen Aktionen
Menschenleben zu schonen. Leider gelang das nicht immer.
Heute werden diese Jahre die "Bombenjahre" genannt.
Die Regierung in Rom sah sich nun gezwungen die Autonomiefrage neu zu behandeln. 1969 kam es zu einem Maßnahmenkatalog , das so genannte " Paket". Darin enthalten, sind wichtige Bestimmungen zum Schutz der deutschen und ladinischen Volksgruppe. Umfangreiche Durchführungsbestimmungen wurden ausgearbeitet. 1992 wurde diese Streitbeilegungserklärung von Österreich und Italien der UNO vorgelegt.
Die Abänderung des Autonomiestatus brachte der Autonomen Provinz Südtirol
eine deutliche Aufwertung. Energieverteilung, selbstbestimmte Schulordnung,
Errichtung einer Universität, Wahlrecht, Vertretung der ladinischen Sprachgruppe
im Landtag - all das brachte Südtirol ein nie zuvor gehabtes Maß an
Selbstverwaltung. Der so genannte "Proporz " sorgt für eine gerechte Verteilung
der Stellen in der Öffentlichen Verwaltung. Südtirol stehen außerdem beträchtliche
finanzielle Mittel zu.
Etwa 40 km südlich von Innsbruck liegt also jene Brennergrenze, hinter der die
Ortsnamen zweisprachig sind und wo - zur Überraschung so mancher Touristen aus
Deutschland - plötzlich Italien ist. Wo man auf dem Waltherplatz in Bozen einen
Cappucino trinken kann und sich mancher fragt, wie das alles gekommen ist.
Die beiden Volksgruppen in Südtirol haben jahrzehntelang gegeneinander gelebt,
in einer Mischung aus Ignoranz und Überheblichkeit.
Heute gibt es ein geregeltes Nebeneinander, allerdings kein Miteinander. Das lag und liegt daran, dass die Italiener wenig oder gar nichts von der
Geschichte, den Bräuchen dieses Landes kennen. Was manchmal allerdings auch
für die deutschsprachigen Südtiroler gilt.